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sauerbruch hutton architects

 

 

“Wir wollten weg von der banalen Linie. Weg von 2D, hin zu 3D und mehr Gebäudeintelligenz. Uns reizte die Fähigkeit von Revit Architecture, Fassadenelemente parametrisch so zu definieren, dass diese sich dann an unterschiedliche Fassadenraster selbsttätig anpassen.“

— Konrad Opitz, Architect

 

Nachhaltige Planung in 3D
Mies van der Rohe sagte, Architektur sei eine Sprache mit der Disziplin einer Grammatik, die man im Alltag als Prosa benutzen könne. Und wenn man sehr gut sei, könne man ein Dichter sein. Ginge man nach dieser Definition, ist das mit dem Revit BIM Experience Award ausgezeichnete Büro sauerbruch hutton mittlerweile einer der führenden Versmeister des Landes. Durch abwechslungsreiche Projekte haben die Berliner Architekten in den letzten Jahren immer wieder auf sich aufmerksam gemacht. Dabei faszinieren die GSW Hauptverwaltung in Berlin oder das Umweltbundesamt in Dessau genauso wie die Entwürfe der im Bau befindlichen ADAC Hauptverwaltung und des Museums Sammlung Brandhorst in München.
 
Kennzeichen der Architektursprache von sauerbruch hutton ist der pragmatische Umgang mit Konstruktion und Technik, der gleichzeitig einhergeht mit einer ausgeprägten Freude an sinnlichen Formen, Materialien und Farben.
Dabei setzen sich die Architekten offensichtlich und intensiv mit dem zu bebauenden Ort auseinander. Sie beziehen die gesamte Umgebung und ihre Geschichte in die Planung mit ein und interpretieren die Faktoren gleichzeitig neu. Beispiel GSW Hauptverwaltung: Direkt neben dem ehemaligen Checkpoint Charlie liegt das gegen Ende 1999 eröffnete Gebäude in einem städtebaulich sensiblen Gebiet. Obwohl man sich damals gegen die bestehende Berliner Traufhöhenregelung durchsetzen musste, nimmt die Hauptverwaltung gleichzeitig Rücksicht auf den spezifischen Ort. Darüber hinaus gilt das Projekt noch als das "erste ökologische Hochhaus Deutschlands".
 
Nachhaltigkeit, Tradition, Innovation – die Pole, zwischen denen sich die Planungen von sauerbruch hutton bewegen, gehen eher eine symbiotische Verbindung ein, als dass sie sich komplementär gegenüberstehen. Bestes Beispiel dafür ist das neue Bürohochhaus KfW Westarkade in Frankfurt. Erst kürzlich wurde sauerbruch hutton dafür mit dem Revit BIM Experience Award von Autodesk ausgezeichnet und damit für eine herausragende Integration von Funktion, Entwurfsqualität und ökologischer Nachhaltigkeit prämiert.
Neben ihrem Haupthaus hatte die KfW Bankengruppe ein Grundstück für ein neu zu errichtendes Bürogebäude mit Konferenzzentrum erschlossen und schon im Wettbewerb die Richtung vorgegeben: Der Komplex sollte rund 56 Meter hoch sein, über 15 Stockwerke verfügen und in vier Untergeschossen die Fahrzeuge der Angestellten und Gäste unterbringen. Gleichzeitig sollte das Gebäude sehr energieeffizient sein und weltweit zu den ersten gehören, die für ihren Betrieb weniger als 100 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr benötigen. Das Ergebnis stimmt: Der Bau harmoniert gut mit dem schon bestehenden Büroensemble, das im Laufe der letzten dreissig Jahren entstanden ist. In unmittelbarer Nähe zum Frankfurter Palmengarten fügt sich der Erweiterungsbau in die bestehende Hochhausgruppe ein, ohne diese zu verdecken. Obwohl in die Gesamtanlage integriert, ist die Westarkade eigenständig und vermittelt zwischen den unterschiedlichen Stadträumen. Erreicht wurde das unter anderem durch eine spezielle Form. Die fliessende Form wendet sich der angrenzenden Strasse zu, dient aber auch gleichzeitig dem Palmengarten als dezenter Hintergrund. Auch der Sockelbau im unteren Bereich passt ins Gesamtgefüge – hier ist die Traufhöhe identisch mit der Nordarkade. Für das Hochhaus wurde ein besonderes Farbkonzept entwickelt, welches dem Gebäude eine starke eigene Identität verschafft, dieses aber auch in eine enge Beziehung  zur Umgebung setzt.
 
Doch nicht nur das stimmige Gesamtbild überzeugt. Es sind vor allem die zahlreichen ökologischen Baumassnahmen, die die Westarkade von den unzähligen austauschbaren Bürotürmen unterscheidet. So sorgt eine spezielle zweischichtige Druckringfassade mit ihren zahlreichen schuppenförmigen Elementen für eine natürliche und witterungsunabhängige Lüftung, hohe Wärmedämmwerte und einen effektiven Sonnenschutz. „Bei geöffneten Schuppen zirkuliert immer frische Luft durch die Doppelfassade. Dank der Unterstützung durch die natürlichen Druckverhältnisse lässt sich bei der Lüftungstechnik viel Energie einsparen“, erklärt Marc Broquetas-Maduell von sauerbruch hutton. Gleiches gilt für die eingesetzten Erdwärmetauscher und die thermische Bauteilaktivierung. Alle einzelnen Massnahmen sorgen für ein beeindruckend effektives Klimakonzept, dessen reibungsloses Zusammenspiel zu einer ausserordentlich positiven Bilanz führt. Zusätzlich sorgt die Fassade noch für ein einzigartiges Äusseres: Durch den Mix aus langen verglasten Flächen und kurzen, farbigen Öffnungsklappen ergibt sich ein einzigartiges Farbspiel, das sich verändert, je nachdem aus welchem Winkel man das Gebäude betrachtet. Mal ist es geschlossen farbig, ein anderes Mal vollkommen transparent. Der Effekt verändert sich in der Bewegung.
 
Es stellt sich die Frage, ob ein derart nachhaltiger und ästhetischer Anspruch die Planung schwieriger macht. Schliesslich hat ein Team von acht Architekten über drei Jahr an dem Projekt gearbeitet. Marc Broquetas-Maduell meint dazu: „Die Planung ist eigentlich nicht schwieriger. Es ist die Koordination der unterschiedlichen Gewerke, die es komplizierter macht.“ Denn schliesslich müssen alle Komponenten zusammen funktionieren und somit viele Zusammenhänge beachtet werden: Dazu sind aufwändige Strömungs- oder Energieberechnungen unerlässlich. Grundlage dieser Simulationen sind aufwändige 3D-Modelle. Sämtliche Leistungsphasen, die Grundrisse und die Details wurden mit Softwarelösungen von Autodesk realisiert, in Teilen auch mit 3-D-Modellen.
 
Das Büro hatte sich seinerzeit bewusst für eine 3D-Lösung entschieden. „Wir wollten zunächst weg von der banalen Linie. Weg von 2D, hin zu 3D und mehr Gebäudeintelligenz“, erklärt Konrad Opitz von sauerbruch hutton. Darüber hinaus arbeitete das Büro schon in der Vergangenheit mit Fassaden, die auf geschuppten Geometrien basieren. Diese bestanden, genau wie bei der KfW Westarkade, aus Fassadenelementen, die zwar immer nach der gleichen Logik funktionieren, aber dennoch in verschiedenen Geometrien und Achsbreiten auftreten. „Hier reizte uns die Fähigkeit von Revit Architecture, Fassadenelemente parametrisch so zu definieren, dass diese sich dann an unterschiedliche Fassadenraster selbsttätig anpassen. Damit wollten wir schon während der Entwicklung die Fassade dreidimensional erproben“, so Konrad Opitz.
 
Beim gesamten Entwurf wurde daher auf das durchgängige Gebäudemodell in Revit zurückgegriffen. Erst bei der Ausführungsplanung mit ihren grossen Mengen an grafischen Informationen, den Bauteilenamen, den Wandmarkierungen sowie den gesamten Bemassungen wurde auf die durchgängige Bearbeitung verzichtet. Die vielen komplizierten Geometrien mit ihren extremen Detailierungsgraden, sorgen speziell bei der Westarkade für äusserst komplexe und umfangreiche Datenbanken.  Revit Architecture in der heute verfügbaren Version stösst dabei noch an die Grenze seiner Performance. Und der Datenaustausch im heterogenen CAD-Umfeld der beteiligten Ingenieurbüros muss noch flexibler werden. Dennoch „ich würde niemals sagen, dass Revit nicht gut ist. Im Gegenteil, das Programm ist faszinierend“, unterstreicht Konrad Opitz die Möglichkeiten, die Building Information Modeling bietet. Und irgendwann könnten dann bei sauerbruch hutton weitere grosse Bauvorhaben komplett mit Revit abgewickelt werden. Autodesk und sauerbruch hutton nutzten daher die Chance und liessen die speziellen Anforderungen eines derartigen Grossprojekts in die aktuellen Software-Entwicklungen einfliessen. Durch zahlreiche Praxistipps wurde weiter daran gearbeitet, dass die Zukunft der Planung durchgängig digital ist.

 

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