Werknetz Architektur
„Das Faszinierende an Revit Architecture ist die gesamte Denkart. Man merkt, dass es weniger ein Zeichnungsprogramm, sondern vielmehr ein Architekturprogramm ist. Ich kann es mir beispielsweise aussuchen, ob ich konzeptionell in Geschossen oder im ganzen Gebäude arbeiten möchte“.
— Philipp Wieting, Founder
Konzeptioneller Wohnungsbau
Zürich ist die Stadt mit der weltweit höchsten Lebensqualität. Deswegen erstaunt es nicht, dass in den einzelnen Quartieren viel Wert auf hohe Wohnqualität gelegt wird. Im westlichen Stadtteil Zürich-Wiedikon ist nun eine unkonventionelle Wohnanlage entstanden, die die Anforderungen des Quartiers in ganz besonderer Weise aufnimmt. Konzept und Entwurf stammen vom jungen Schweizer Architekten Philipp Wieting, für den das wichtigste Element im Wohnungsbau das Raumkonzept ist. Menschen müssen innerhalb ihrer vier Wände Schlafen, Essen, Arbeiten, kurzum: Leben. Daher ist es unbedingt notwendig eine Konzeption zu erarbeiten, die so sinnvoll wie spannend ist. Mit „edeneins – ein Projekt der Intershop“ dem ersten Meilenstein einer neuen Quartierplanung ist dieser Anspruch eindrucksvoll gelungen. Für die Umsetzung seiner architektonischen Ideen setzte Wieting auf kreative Architektursoftware.
Die gesamten Arbeiten bei Werknetz Architektur folgen dem Prinzip, dass räumliche Dichte durch das Überlagern verschiedener konzeptioneller Ebenen entsteht. Einerseits. Andererseits ist räumliche Dichte auch Ausdruck des Weiterentwickelns und der Modifikation schon vorhandener Grundstrukturen. Wenn es sich um guten Wohnungsbau handeln soll, müssen die Räume daher mindestens einem Grundgedanken folgen. Gleichzeitig sollte das Gebäude eine Antwort auf die Umgebung sein. „Dann kann man die Qualität schon im Rohbau spüren“, ist sich Philipp Wieting sicher. Bei dem Wohnbauprojekt edeneins in Zürich-Wiedikon ist das Grundkonzept die Zweiseitigkeit. Ausgehend von der Lage haben sämtliche Wohnungen – mit jeweils einer Hofseite und einer Strassenseite – eine zweiseitige Orientierung. Und genau diese Orientierung spiegelt sich in der gesamten Wohnkultur wider. Das geschieht im Innenraum primär über den Wohn- und Essbereich, sekundär über die Anordnung und Gestaltung der Badezimmer. Durch das Spielen mit zwei Polen entsteht eine Grosszügigkeit und räumliche Vielfalt, die unabhängig ist von der Wohnungsgrösse und auch funktioniert, wenn die Zimmertüren geschlossen sind. Weiterhin verfügt die Hälfte der Wohnungen über eine offene Nasszelle.
Ein Konzept, das die Hinwendung zu den beiden Richtpunkten weiter unterstreicht. „Im klassischen Wohnungsbau wurde schon alles mögliche ausprobiert“, resümiert der Architekt Wieting. Die Nasszelle ist daher für ihn einer der letzter Bereiche, in denen es noch wirklich neue Ideen geben kann. „Deswegen haben wir uns entschieden, für den Ausbau zwei Badvarianten vorzugeben“.
Eine zweiseitige Einheit
Das Konzept der Zweiseitigkeit beginnt schon von aussen: Die 61 neu entstandenen Wohnungen des Wohnprojekts edeneins verteilen sich auf zwei sechsgeschossige Gebäude. Beeinflusst von den städtebaulichen Linien der bestehenden Viertels, wirkt das Gefüge der beiden Baukörper als vollkommene Einheit. Es setzt einen gänzlich neuen Akzent in einem Stadtbezirk, der durch eine Blockrandstruktur mit Wohnbauten sowie durch Gewerbebauten verschiedenster Stilrichtungen geprägt ist. Eine starke Identität vermittelt ausserdem der als Wohnhof konzipierte Innenhof. Durch das Knicken der Fassade wurde ein gefasstes, stark raumhaltiges Areal geschaffen, das vom Treppenhaus für alle Bewohner zugänglich ist. Darüber hinaus ist die Gestaltung beider Gebäude durch das einheitliche Fensterformat eindeutig städtisch geprägt. Ein dunkler Putz mit spezieller Oberflächenoptik sorgt für eine verstärkte Plastizität der zwei Bauwerke. Durch die absichtliche farbliche Abgrenzung zu den Nachbargebäuden wird eine zu einseitige Anbindung verhindert und gleichzeitig die zentrale Lage des Gefüges hervorgehoben.
Flexible Bearbeitung
Geplant wurde edeneins durchgängig mit Revit von Autodesk – vom Entwurf über die Detailplanung bis hin zur Planübergabe. Werknetz Architektur arbeitet hier zum ersten Mal mit dieser Architekturlösung. Während für den Wettbewerb noch AutoCAD genutzt wurde, entschied man sich für das Projekt gezielt für Revit. „Ich wollte immer schon modellbasiert arbeiten“, erklärt Philipp Wieting. Nachdem er sich über mehrere Angebote informiert hatte, wies ihn sein Fachhändler bei einer Präsentation auf die Vorzüge der Autodesk-Lösung hin – und Wieting war von den Möglichkeiten in 3D schnell beeindruckt. „Das Faszinierende ist die gesamte Denkart. Man merkt, dass es weniger ein Zeichnungsprogramm, sondern vielmehr ein Architekturprogramm ist.“ Da Revit so arbeitet, wie Architekten denken, fiel ihm die Umstellung leicht. Von nun an wurde nicht mehr per Hand skizziert, sondern das gesamte Raumkonzept im Rechner entwickelt. Unterstützt durch die einfache und flexible Handhabung: „Ich kann es mir beispielsweise aussuchen, ob ich konzeptionell in Geschossen oder im ganzen Gebäude arbeiten möchte“, lobt der Architekt. Das Programm gibt dabei keine bestimmte Arbeitsweise vor, sondern ist so beweglich, wie die jeweiligen Projekte auch.
Ein Gebäudemodell
Bei einem weiteren Projekt, der Fachhochschule Olten, wurde die Lösung erstmals für einen Wettbewerbsbeitrag genutzt. Auch hier wurde das Raummodell in der Software entwickelt und relativ schnell eingesetzt. Das Neue am Softwareeinsatz war, dass man sich von Anfang an überlegen muss, wie das gesamte Gebäude nachher konstruiert sein soll. Das erfordert natürlich einiges an Denkarbeit. Man muss sich vor Augen führen, ob etwas ein durchgehendes Element ist oder nicht. Oder ob etwas ein Ausbauelement ist oder etwa ein Zwischengeschoss.
Diese Vorgehensweise bringt einige Vorteile mit sich. Es gab bei dem Projekt edeneins – mit den Käufern und den Bauherren – zwei Entscheidungsebenen. Man stand somit vor der komplexen Aufgabe, die verschiedenen Interessen ständig zu verknüpfen. Hier kam das Gebäudemodell zum Tragen, wie sich anhand der Baureihendefinition gut veranschaulichen lässt: Im Handumdrehen lassen sich grundlegende Bearbeitungsaufgaben, anspruchsvolle und komplexe Formen für Massenmodelle oder konzeptionelle Analysen erstellen. Durch das Festlegen der Ausbaubereiche, schaffte man durchgängige Vorgaben, die sich in der Datenbank niederschlugen und in den Kostenkalkulationen ablesbar waren.
Alles andere als Standard
Sowohl bei dem Projekt FHNW Olten, als auch bei edeneins war das Architekturbüro froh, nicht auf die herkömmlichen Standardbibliotheken angewiesen zu sein. „Wir arbeiten meistens nicht mit Standardbauteilen“, erklärt Philipp Wieting. Die Möglichkeit, ohne grossen Aufwand eigene Bauteile in Revit zu erstellen, kommt den Architekten bei Werknetz daher entgegen. „Für Olten haben wir ein spezielles Schweizer Holz-/Metallfenster entwickelt. Und für edeneins eine besondere Zarge.“ Aus der Zarge wurde dann eine eigene sogenannte Familie generiert. Dadurch konnte die Zarge immer wieder flexibel angepasst werden. Je nachdem, ob sie beispielsweise zwei oder drei Zentimeter breit sein soll.
Die offene Nasszelle
Auch die ausgeprägten Visualisierungsmöglichkeiten bei Revit trugen zum Erfolg des Entwurfs von edeneins bei. Anhand des Modells konnten sich die Bauherren schnell und ohne grosse Mühe vorstellen, wie der Wohnkomplex später aussehen soll. Viel besser, als es bei Plänen möglich gewesen wäre. Ähnlich erging es auch den Käufern. Gerade für sie war eine bildliche Vorstellung der Planung von grossem Interesse. Schliesslich mussten sie auch noch darüber entscheiden, wie die jeweilige Wohnung später ausgebaut werden sollte. Die Architektenentwürfe kamen den Entscheidungen der Käufer entgegen und haben diese auch ein gutes Stück weit geführt, wie es das Beispiel der offenen Nasszelle zeigt. Im Endeffekt gibt es bei dem Projekt zwei verschieden Badvarianten – nämlich eine offene sowie eine geschlossene. Je nachdem, wie sich der Käufer entscheidet, kann er sein Badezimmer gestalten. Für jemanden, der lieber konventionell wohnt, gibt es die geschlossene Variante, für progressive Naturen eben die offene. Und das funktioniert folgendermassen: Ausgehend vom Grundkonzept der Zweiseitigkeit, hat jede Wohnung einen Hauptraum. Von diesem Hauptraum gelangt man in einen schlauchartigen Gang, der von beiden Seiten offen ist und in dem sich das Badezimmer befindet. Diese Integration der Nasszelle in den räumlichen Gesamtkontext, macht aus jeder Wohnung einen fliessenden Gesamtkörper. Dank Revit konnte dieses Konzept universal geplant und verändert werden. Wenn sich ein Käufer gegen die Konzeption entschied, musste nichts neu geplant werden – und somit auch keine weiteren Kosten kalkuliert werden.
Das und nicht zuletzt die konsequente Durchgängigkeit der Daten im Gebäudemodell von Revit erleichterte die Planung erheblich. Da es immer wieder verschiedene Einflüsse und Wünsche zu berücksichtigen gab, war es vorteilhaft, parallel am Objekt arbeiten zu können. Durch die bidirektionale Assoziativität konnten unnötige Fehler vermieden und viel Zeit eingespart werden. Kurzfristige Änderungswünsche von den verschiedensten Seiten konnten umgehend und ohne grossen Mehraufwand bearbeiten werden – und waren durch die Darstellung im 3D-Modell dem Auftraggeber wiederum sehr einfach zu kommunizieren. Für Philipp Wieting stand deswegen schon früh fest, dass bei aktuellen Werknetz-Projekten alles selbst gemacht wird – auf der Grundlage von Revit. Ob Kostenkalkulation, Bauteildefinition oder Stücklistenerstellung: Alles folgt der Philosophie des prozessorientierten Arbeitens zu Gunsten eines sinnvollen Raumkonzepts.